Die meisten Investoren suchen nach der richtigen Aktie oder dem perfekten Einstiegszeitpunkt.
Sie gehen davon aus, dass bessere Auswahl oder besseres Timing der Schlüssel zu überdurchschnittlichen Ergebnissen ist.
In den meisten Fällen ist das eine falsche Annahme.
Investmentergebnisse lassen sich auf drei Faktoren zurückführen.
Sie wirken immer gemeinsam – aber nicht gleich stark.
Die drei Einflussfaktoren
Jeder Investmenterfolg lässt sich einem dieser drei Bereiche zuordnen:
- Asset Allocation
- Market Timing
- Security Selection
Dabei handelt es sich nicht um Strategien, sondern um Quellen von Rendite.
Wer versteht, wie sie wirken, trifft bessere Entscheidungen – auch ohne perfekte Prognosen.
Asset Allocation
Asset Allocation beschreibt die Entscheidung, wie Vermögen auf verschiedene Anlageklassen allokiert wird.
Dazu gehören beispielsweise Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Liquidität – sowie deren jeweilige Gewichtung im Portfolio.
Diese Entscheidung legt den strukturellen Rahmen fest, innerhalb dessen alle weiteren Entscheidungen stattfinden.
Ein Portfolio mit 70 % Aktien verhält sich grundsätzlich anders als eines mit 30 % Aktien – unabhängig davon, welche einzelnen Titel enthalten sind.
Im institutionellen Asset Management wird diese Grundstruktur häufig als strategische Asset Allocation definiert.
Sie ist langfristig angelegt und soll über Marktzyklen hinweg Bestand haben.
Asset Allocation bestimmt nicht einzelne Ergebnisse.
Sie bestimmt die Wahrscheinlichkeiten, mit denen bestimmte Ergebnisse eintreten können.
Market Timing
Market Timing bezeichnet zeitlich begrenzte Anpassungen der bestehenden Asset Allocation.
Ein Investor hält beispielsweise an einer langfristigen Aufteilung von 60 % Aktien und 40 % Anleihen fest.
Aufgrund der Einschätzung, dass die wirtschaftlichen Risiken kurzfristig zunehmen, reduziert er den Aktienanteil vorübergehend auf 50 % und erhöht den Anleiheanteil entsprechend.
Nach einigen Monaten kehrt er zur ursprünglichen Struktur zurück.
Die zusätzliche Rendite oder der zusätzliche Verlust, der durch diese zeitliche Abweichung entsteht, ist dem Market Timing zuzuschreiben.
Market Timing versucht, den richtigen Zeitpunkt für Anpassungen zu treffen.
Es setzt voraus, dass Märkte kurzfristig verlässlich eingeschätzt werden können.
Das gelingt selten – und meist nicht wiederholbar.
Security Selection
Security Selection beschreibt die Auswahl einzelner Wertpapiere innerhalb einer Anlageklasse.
Wer einen Markt über einen Index abbildet, akzeptiert dessen Zusammensetzung und erzielt die Marktrendite.
Wer bewusst von dieser Zusammensetzung abweicht, trifft aktive Entscheidungen.
Hat eine Aktie im Index ein Gewicht von 4 %, ein Investor allokiert jedoch 8 %, entsteht eine Abweichung.
Die daraus resultierende Über- oder Unterrendite ist der Security Selection zuzuordnen.
Security Selection erfordert Urteilskraft.
Urteilskraft erfordert Genauigkeit.
Genauigkeit ist in wettbewerbsintensiven Märkten selten dauerhaft vorhanden.
Welcher Faktor ist entscheidend?
Die Bedeutung der drei Faktoren hängt vom Kontext ab.
Investiert jemand ausschließlich in eine einzelne Aktie, hängt das Ergebnis vollständig von deren Entwicklung ab.
Security Selection dominiert.
Handelt ein Investor kurzfristig einen Index und passt seine Positionen mehrfach täglich an, wird das Ergebnis fast ausschließlich durch Timing bestimmt.
Diese Situationen sind Ausnahmen.
Die meisten Investoren:
- halten mehrere Anlagen
- investieren über längere Zeiträume
- verfolgen keine rein taktischen Strategien
In diesem Umfeld verschiebt sich der Schwerpunkt.
Die zentrale Rolle der Asset Allocation
In breit diversifizierten Portfolios prägt die Asset Allocation das Risikoprofil und erklärt häufig einen großen Teil der Schwankungen über die Zeit. Wie stark sie Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Portfolios erklärt, ist eine andere Frage und hängt vom Anlageuniversum und den aktiven Entscheidungen ab.
Market Timing erfordert wiederholt richtige Einschätzungen.
Security Selection erfordert die Identifikation von Fehlbewertungen in effizienten Märkten.
Beides ist schwierig.
Asset Allocation hingegen basiert nicht auf kurzfristigen Vorhersagen, sondern auf Struktur.
Sie legt fest,
- welchen wirtschaftlichen Kräften ein Portfolio ausgesetzt ist
- wie es auf unterschiedliche Marktphasen reagiert
- welche Renditequellen langfristig genutzt werden
Diversifikation ist kein Verzicht auf Rendite.
Sie ist die Anerkennung von Unsicherheit.
Die eigentliche Konsequenz
Viele Investoren konzentrieren sich auf die variabelsten Stellschrauben.
Sie diskutieren Einzeltitel oder Einstiegszeitpunkte.
Gleichzeitig bleibt die wichtigste Entscheidung oft unverändert.
Die Wahl der Assetklassen und ihre Gewichtung bestimmen nicht den exakten Ausgang.
Aber sie begrenzen den Rahmen möglicher Ergebnisse.
Fazit
Investmenterfolg ist selten das Resultat einzelner brillanter Entscheidungen.
Er ist das Ergebnis einer tragfähigen Struktur.
Asset Allocation legt den strategischen Rahmen fest.
Security Selection, Timing, Kosten und Verhalten können das Ergebnis innerhalb dieses Rahmens dennoch wesentlich beeinflussen.
Wer das versteht, muss nicht alles richtig machen.
Er vermeidet vor allem, das Wesentliche zu übersehen.
Quellen und Vertiefung
- Brinson, Hood und Beebower: Determinants of Portfolio Performance
- Ibbotson und Kaplan: Does Asset Allocation Policy Explain 40, 90, or 100 Percent of Performance?
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageberatung dar.
